Ich lese gerade...

Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Metatron am 25. November 2009, 10:13

moralapostel hat geschrieben:
Unterbrochen wurde der "Melmoth" bei mir durch ein anderes Buch. Jetzt, wo ich darüber nachdenke mit merkwürdigen Parallelen: ich habe heute Michael Ende - Momo zu Ende gelesen.

ja, für dieses buch lass ich auch alles stehen und liegen. wo siehst du die parallelen?

In beiden gehts um Zeit, die ein Mensch hat. Auch wenn das bei Melmoth sicherlich nicht auffälligste ist, aber ich hab mich nach "Momo" auch gefragt, was dieser Wanderer denn mit seiner ganzen Zeit anfängt. Nun, die Antwort ist schmerzvoll klar geworden. Hm, ich weiß nicht, ob ich mich trau eine Parallele zwischen Momo und Imalee zu ziehen - beide vereint irgendwo ihre Unschuld und ihre Gabe zuzuhören. Aber nachdem ich bereits gelesen habe wie es Imalee in Spanien ergeht, ist das wohl auch schon alles, was die beiden teilen.
Nachdem ich jetzt kurz vor dem Schluss bin - nein, richtige Parallelen in dem Sinne, dass beide vom selben Thema erzählen, würde ich den beiden Büchern nicht mehr unterstellen. Aber grad am Anfang waren die Gemeinsamkeiten für mich schon deutlich.

ich lese von michel houellebecq: die möglichkeit einer insel.
ich verstehe nicht so ganz, was mel daran gestört hat, denn bisher gefällt mir das buch sehr gut.

Was daran?

Oh, ich lese grad in ruhigen Minuten auch wieder Goethes "Faust".
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Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Skeld am 6. Januar 2010, 21:30

Jean Paul Sartre - Der Ekel

Mal sehen. Fange gerade erst damit an. :)
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Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Metatron am 18. April 2010, 00:54

Und, fertig geworden?

Ich bin mit "Das Spiel des Engels" durch. Grausames Werk. Nicht der Sprache wegen, die war so mitreißend, dass ich es in drei Zügen innerhalb von drei Tagen gelesen habe.
Es geht um einen Jungen, David Martin, und seine Erlebnisse im Barcelona des beginnenden 20. Jahrhunderts. Es geht um einen drei Engel, Freundschaften und einen Faustschen Pakt. Und es geht um Verlust, Magie, Wahn und Täuschungen. Zutaten, die dieses Buch wohl auch fürs große Kino empfehlen.
Nach den ersten 200 Seiten war ich von dieser Mischung ziemlich enttäuscht, weil ich dachte, die Handlung sei schon fertig, alles so gekommen, wie es auf den ersten 100 Seiten angelegt war und das Lesen der restlichen 500 Seiten somit Zeitverschwendung. Ein glücklicher Irrtum meinerseits. Der Author, Carlos Ruiz Zafon, zieht das Tempo gewaltig an, die Geschichte verdichtet sich und wird am Ende so schnell, David Martin als dem Faust Barcelonas die Leichen fast schon den immer atemloseren Weg pflastern.
Das Buch endet im Epilog mit einer Verneigung vor Melmoth, dem Wanderer, wie sie wohl deutlicher nicht sein kann, auch wenn ich zugebe, dass mir kleingeistigem Zwangsoptimisten ein Happy-End und die Auflösung einiger Fragen (wusste, unterstützte der Patron Marlasca bei seinem Spiel?) lieber gewesen wäre.
Ich würde das Buch auf jeden Fall allen weiterempfehlen, die immer schon mal wissen wollten, was passiert, wenn man die Welt in Brand stecken will.

Da ich schon lange nichts mehr hier rein gesetzt habe, sei auch nachgetragen, dass ich davor mit Patricia Highsmiths "Der talentierte Mr. Ripley" die Zeit totgeschlagen habe. Im Gegensatz zum "Spiel des Engels" ein Buch, das mich kalt gelassen hat. Herr Ripley gibt darin den (talentierten?) Dauerlügner und schreckt auch nicht vor zwei Morden zurück um sein Lügengebäude aufrecht zu erhalten. Sobald die geschehen sind, folgt der Leser dem Anti-Helden durch seine Vertuschungsversuche und Gewissensbisse bis zum Ende. Ich bin mir im Nachhinein nicht sicher, was dieses Buch für mich so schwer gemacht hat. Vielleicht war ich einfach nicht in der Stimmung für die Menge Realität, die das Buch trotz der Romanform hat. Und das ich mir bei sowas dauernd denken muss "mit DNA-Analyse wäre der Typ heute nach zwei Wochen hinter Gittern" hat sicherlich auch nicht geholfen :angel:
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Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Skeld am 19. April 2010, 21:32

Ich lese gerade "Guns, Germs and Steel" von Jared Diamond.

Jared Diamond said an alternative title would be A short history about everyone for the last 13,000 years.[1] The book attempts to explain why Eurasian civilizations (including North Africa) have survived and conquered others, while attempting to refute the belief that Eurasian hegemony is due to any form of Eurasian intellectual, moral or inherent genetic superiority. Diamond argues that the gaps in power and technology between human societies originate in environmental differences, which are amplified by various positive feedback loops. When cultural or genetic differences have favored Eurasians (for example Chinese centralized government, or improved disease resistance among Eurasians), these advantages were only created due to the influence of geography and were not inherent in the Eurasian genomes.
[...]
http://en.wikipedia.org/wiki/Guns,_Germs,_and_Steel

Ich finde das Buch bisher sehr gut geschrieben, bin zwar erst auf Seite 90. Man sollte allerdings nicht allerdings alles unreflektiert übernehmen, auch scheint seine Argumentation an einigen Stellen etwas löchrig. Aber er hat ja noch 400 Seiten vor sich um die zu füllen. Ich bin gespannt und finde das Thema höchst interessant.
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Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Quigor am 1. Mai 2010, 17:03

Ich habe ein paar Bücher über die Borderline-Persönlichkeitsstörung gelesen. Auch wenn es immer löblich sein mag, sein Verständnis für seine Mitmenschen zu erweitern, möchte ich mich hier mit diesbezüglichen Empfehlungen zurückhalten - als Literatur können die Dinger definitiv nicht durchgehen.

Metatron hat geschrieben:Das Buch endet im Epilog mit einer Verneigung vor Melmoth, dem Wanderer, wie sie wohl deutlicher nicht sein kann, ..

Mhm, Du hast mich überzeugt: Ich habe es gerade bestellt.

Und ich nehme erstaunt zur Kenntnis, daß Du den bösen Humor von P.Highsmith nicht wirklich würdigst - dabei ist gerade die Highsmith so eine witzige Beobachterin menschlichen Verhaltens.


@Skeld, bist Du schon durch mit dem Schmöker?
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Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Angsthase am 1. Mai 2010, 20:10

Quigor hat geschrieben:Mhm, Du hast mich überzeugt: Ich habe es gerade bestellt.



Extrem gute Wahl. Die Bücher von Carlos Ruiz Zafón gehören zu den besten, die ich je gelesen habe (also zumindest aus dem Bereich der neuen Literatur :angel: ).
Bestell dir am besten auch gleich noch "Der Schatten des Windes" dazu, das ist quasi eine Art Fortsetzung.

Aus Amazon:
In der Altstadt von Barcelona gibt (oder gab) es einen Friedhof vergessener Bücher. So jedenfalls will es der spanische Autor Carlos Ruiz Zafón, der uns in seinem grandiosen Erstling Der Schatten des Windes an die Hand nimmt und einführt in eine geheimnisvolle, verborgene Erzählwelt -- ebenso, wie im Romandebüt selbst der Held Daniel Sempre von seinem Vater bei der Hand genommen wird. Überhaupt spiegelt sich viel im Schatten des Windes. Denn ebenso heißt auch das Buch, dessen letztes Exemplar Sempre in die Hände fällt. Von nun an lässt ihn die Geschichte und das Schicksal dieses Werks nicht mehr los, zumal noch andere, rätselhafte Gestalten sich für die Ausgabe interessieren.
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Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Quigor am 3. Mai 2010, 11:45

Angsthase hat geschrieben:Bestell dir am besten auch gleich noch "Der Schatten des Windes" dazu, das ist quasi eine Art Fortsetzung.

Wurde durchgeführt.

Kennt jemand "Thanatos" von Helmut Krausser? Das werde ich mir heute mal zu Gemüte führen, denn ich kann eine kleine Pause von den BL-Geschichten brauchen. Gemäß der Inhaltsbeschreibung erwarte ich mir einen kafkaesken Roman.
Der Autor soll übrigens in der Gegend von München leben; ob dies allerdings bedeutet, daß mir ein Blick auf eine bayrische Weltsicht geboten wird, ist fraglich.
Kann Krausser wohl als "typischer Bayer" durchgehen?
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Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Angsthase am 3. Mai 2010, 19:41

Nö, sorry, hab ich nicht gelesen.

Quigor hat geschrieben:kafkaesken


Bei diesem Wort habe ich entschieden, dass ich diesen Zustand auch nicht ändern werde. Nope.


Ich lese gerade schön profan den neuen Wallander Roman von Henning Mankell, nämlich "Der Feind im Schatten".
Und damit ist dann auch die Reihe um den depressiven und sehr menschlichen Kommissar aus Schweden endgültig abgeschlossen.
Liest sich bisher gut wie immer, ist aber natürlich mit den Afrikaromanen von Mankell nicht vergleichbar. Aber wer schön leichte Unterhaltung sucht, die aber spannend bis zum Schluss ist, ist hier richtig.
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Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Quigor am 8. Mai 2010, 20:58

Angsthase hat geschrieben:Bei diesem Wort habe ich entschieden, dass ich diesen Zustand auch nicht ändern werde. Nope.

Hm. Ich bin jetzt ein wenig unglücklich darüber.
Im eigentlichen Sinne "kafkaesk" ist "Thanatos" nämlich nicht - wenn man jetzt einmal von der Unaufhaltsamkeit des Ablaufs absieht. Ich bin nur ausgesprochen ambivalent, ob ich es Dir guten Gewissens empfehlen kann: Einerseits wäre es ein Jammer, das Buch links liegen zu lassen, denn Krausser beherrscht die Sprache und ihm ist mit diesem Roman ein bemerkenswertes Stück Literatur gelungen. Andererseits fürchte ich, daß es Dir nicht wirklich gefallen wird.
Ich habe das Buch noch nicht fertig gelesen (erst etwas mehr als ein Drittel), aber es ist bereits klar, was hier beschrieben wird: Der Zerfall eines Bewußtseins, das Zerbröckeln der Ich-Strukturen, die Auflösung einer Persönlichkeit, die nie auf festem Boden stand - der Gang in den Wahnsinn. Wobei hier pars pro toto steht, wie ich einmal vermute, und Krausser mehr als einen Menschen portraitiert, dessen Geist in tausend Scherben zersplittert.
Ich behalte mir die Entscheidung derzeit noch vor, ob ich Dich zu "Thanatos" überreden möchte.

Ansonsten aber möchte ich den Roman bereits jetzt vollmundig empfehlen: Krausser schreibt hinreißend, und er hat eine Methode gefunden, seine Bücher *jedem* Leserkreis schmackhaft zu machen; in einem Interview antwortete er auf die Frage, ob sich die wirtschaftliche Situation auch für deutsche Autoren verbessert habe:
Die Leute lesen noch, ja, aber was lesen sie denn? Anspruchsvolle Literatur ist heute in ihrer gesellschaftlichen Relevanz so tot wie das Theater. Dennoch gibt es Literatur, die sowohl anspruchsvoll ist, als auch gekauft und gelesen wird. Das hat mit Raffinesse zu tun. Man baut seinen Text in vielen Schichten auf, so dass ganz oben eine Schicht erscheint, die selbst ein Depp zu verstehen glaubt. So kann man vor sich selbst die Würde bewahren, ohne hungern zu müssen.

Daraufhin habe ich beruhigt "UC" und "Melodien" bestellt. :D
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Re: Ich lese gerade...

Beitragvon Angsthase am 11. Mai 2010, 19:56

Ich habe schon vor längerem "Der Junge im gestreiften Pyjama" von John Boyne gelesen, hier aber nicht darüber geschrieben. Das sollte ich dringend nachholen.
Erstmal eine Kurzzusammenfassung:

Bruno wächst zu Beginn des zweiten Weltkrieges wohlbehütet und glücklich mit seiner Familie in Berlin auf. Doch dann muss er plötzlich an einen Ort namens „Aus-Wisch" umziehen, weil der „Furor" den Vater dort für eine wichtige Aufgabe vorgesehen hat. Bruno kann das nicht verstehen und hasst sein neues, graues Zuhause, das in einer öden Gegend liegt, wo keiner mit ihm spielt. Besonders schrecklich und rätselhaft ist der endlose Stacheldrahtzaun hinter seinem Haus, hinter dem Menschen in gestreiften Schlafanzügen in Baracken leben. Die Antworten, die der Junge auf seine Fragen nach den "Menschen hinter dem Zaun" erhält (Antwort des Vaters: "Das sind gar keine Menschen") bringen ihn auch nicht weiter. Dann lernt er auf einem seiner Spaziergänge den gleichaltrigen Schmuel kennen, der auf der anderen Seite des Zaunes lebt, einen gestreiften Pyjama trägt und schrecklich abgemagert ist. Heimlich trifft sich Bruno von nun an fast täglich mit Schmuel und es entwickelt sich eine Freundschaft, die nur ein tragisches Ende finden kann.


Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Es war eines der wenigen Bücher, welches mir die NS-Zeit auf eine ganz andere Art gezeigt hat - nämlich durch die Augen eines Kindes.
Und durch diese Augen wird der Wahnsinn noch wesentlich deutlicher, auch wenn er lang nicht so erschreckend wirkt.
Vielleicht kennt einer von euch den Film "Das Leben ist schön", denn ungefähr mit dieser Leichtigkeit, wie ich sie auch in diesem Film gefunden habe, wird hier das Geschehen in "Aus-Wisch" geschildert. Das Unverständnis des Jungen gepaart mit dem Wissen der umstehenden Personen zeichnet ein Bild, das irgendwo zwischen Staunen und Naivität angesiedelt ist.
Die Sprache ist teils etwas zu kindlich gewesen für meinen Geschmack, war aber wohl nötig um tatsächlich die Perspektive des Kindes deutlich zu machen.
Quigor, bitte lies dieses Buch, wenn du Zeit hast. Ich würde sehr gerne mit dir darüber sprechen. :knuddel:
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