Geschrieben wurde der Beitrag allerdings größtenteils vom Chaos Computer Club. In ihm wird u.a. argumentiert, Filesharing genieße in der Bevölkerung mehr Unterstützung als die deutsche Regierungskoalition, weil die Zahl der Nutzer höher sei als die Wähler, die tatsächlich für Schwarz-Gelb gestimmt haben. Neben Kritik an den "veralteten" Geschäftsmodellen von Verlagen und anderen Inhalteanbietern, wird vor allem Filesharing als demokratisches, billiges und dezentrales Distributionsnetzwerk gelobt, dessen "Zukunftstechnologie" nicht durch die Blockade der Inhalteanbieter etwa durch Überwachung und Kontrolle verhindert werden dürfe.
Ich suche ja immer noch nach dem Geschäftsmodell, das auf Filesharing aufbauend Geld verdient. In dem Artikel wird keins vorgestellt.
Worum es mir aber erstmal geht, steht in einem Kommentar darunter:
Es ist eine alte Tugend: Wer etwas übrig hat, oder es ohne Mühe vervielfältigen kann, dessen moralische Pflicht ist es, denen zu geben, die bedürftig sind.
Die Filesharing-Moral ist keine neue Erfindung, sondern instinktives Menschenrecht, das daher auch von den Weltreligionen in ihre jeweiligen Wertegefüge eingebaut wurde.
Wer von seiner Bandbreite nichts abgibt, und alle seine Dateien für sich behält, der ist ein schimpflicher Geizkragen und keine Lichtgestalt.
Ist es das, was aus der Erfindung Internet hervorgegangen ist? Eine neue "moralische Pflicht", die Ergebnisse meines digitalen Schaffens gefälligst der darbenden Masse anzubieten? Ich muss sagen, ich bin noch leicht schockiert über die Selbstverständlichkeit, mit der hier von einem "instinktiven Menschenrecht" gesprochen wird, ganz so, als ob "Bedürftige" auf die Verfügbarkeit meiner Pornosammlung einen ähnlichen Anspruch hätten wie das örtliche Tierheim auf Futterspenden.
Ich finde es erschreckend, für wie selbstverständlich heute digitale Werte gehalten werden. Offenbar bis zu dem Punkt, an dem geradezu die eigene Existenz bedroht wird, wenn einem der Zugang zu Kopien von Twilight und Hentai versperrt wird. Mich verblüfft es, wie sehr hier das unzensierte Netz, und besonders wichtige Projekte wie wikileaks und tausend kleine, obskure Informationsverbreiter in einen Topf geworfen werden mit denjenigen, die mehr Bandbreite vor allem für die Verbreitung von Robbie Williams und Lady Gaga benötigen. Ich hätte ja nie gedacht, dass mich diese Melange dermaßen aufregt, um hier darüber öffentlich schimpfen zu müssen.
Was denkt ihr über diese Meldung und diesen Kommentar? Einfach nur durchgeknallt oder die Zukunft der digitalen Welt?
P.S.: Ja, ich habe auch schon files getauscht. Das ist nicht, was mich aufregt. Aber mir wäre nie eingefallen, mich für die Rechtfertigung meines Tuns auf die Weltreligionen zu berufen

