Qualität

Re: Qualität

Beitragvon Quigor am 14. Februar 2008, 18:57

*seufz*
Ich bin offenbar unfähig, mich so zu artikulieren, daß ich meinen Gesprächspartnern vermitteln kann, was ich meine. Gut, das nehme ich zur Kenntnis.
Doch auch Roszak selbst scheint diese meine Unfähigkeit zu teilen - wie seltsam.

Ich will es nun auf einem Umweg versuchen:
Von Abwertung wegen schlechter Rechtschreibung ist es IMHO kein weiter Weg mehr zur Abwertung wegen Hakennase...

Diesen Satz habe ich in einem anderen Forum gefunden - der Gegenstand der Diskussion soll hier nichts zur Sache tun.
Man könnte das Zitat als Beispiel dafür anführen, daß sich im Verlauf einer längeren verbalen Auseinandersetzung immer jemand findet, der die Nazi-Karte ausspielt; aber das war es nicht, was ich daran bemerkenswert fand.
Mich interessiert eher der Vorwurf der ungerechtfertigten Diskriminierung, der hier mit grimmiger Erbitterung ausgesprochen wird. Wer einen solchen Satz schreibt, ist ein geistiger Bruder Sharkeys - denn er kämpft für das 'Recht' auf Niveaulosigkeit.
Und damit aber auch für das Recht auf ungestörte Meinungsäußerung jener, die sich eher durch das geschriebene Äquivalent von Grunzen verständigen - Freiheit für den 'kleinen Tramp'.

Versteht ihr jetzt, um was es mir geht?
Und was meint ihr selbst dazu?
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Re: Qualität

Beitragvon Angsthase am 19. Februar 2008, 17:23

*duck*
Ich trau mich hier schon fast nix mehr schreiben, weil es sein kann, dass ich dich wieder falsch verstehe...aber ich probiers mal:

Ich persönlich sehe kein wirkliches "Recht auf Niveaulosigkeit". Als Beispiel nehme ich mal die Rechtschreibung. Es gibt ein Richtig und ein Falsch. Natürlich kann mir keiner verbieten falsch zu schreiben, aber wenn ich das tue, muss ich damit rechnen, dass mich mein Gegenüber für einen Vollidioten hält und im Zweifel die Kommunikation einstellt. Wenn ich dazu bereit bin: Bitteschön. Dann habe ich mein "Recht" bekommen.
Wenn ich Wert darauf lege weiterhin zu kommunizieren - und davon geh ich doch mal grundsätzlich aus -, muss ich mich eben den geltenden (Rechtschreib-)regeln unterwerfen. Und damit bleibt das Niveau gesichert. Natürlich definiert auch der Rahmen das jeweils anzusetzende Niveau. So wird eine Diskussion am Stammtisch anderen Regeln unterliegen als eine Diskussion innerhalb einer Firma (hoffe ich...). Diese Regeln sind für mich einerseits formaler Natur, wie z. B. Tischmanieren und Höflichkeitsformen, aber auch inhaltlicher Natur, wie z. B. Tabuthemen, Argumentationsketten etc.

Wenn man all diese Regeln aushebelt und der Niveaulosigkeit den Stellenwert des Normalen gibt, kommt man sehr schnell zu einer Ghettoisierung - die Frage ist nur, wer dann im Ghetto, im Abseits, sitzt. Wie ich befürchte all jene Menschen, die eben doch noch Wert auf diese Qualitätsregeln gelegt haben und sich nicht, wie in deinem Beispiel hinter dem Totschlagargument "Nazikarte" verstecken um vom Kleinen auf das Große zu schließen und damit vom eigentlichen Fehler des Textes, nämlich der Unverständlichkeit aufgrund mangelnder Rechtschreibung, abzulenken. Und das ist für mich nicht erstrebenswert. Von daher verzichte ich darauf mich anzupassen und das Niveau dahingehend herunterzuschrauben, dass mich auch noch der letzte Depp versteht.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt ?
Sind es zwey, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt ?

Verschpieschelte Flüscheltüren, sag ich euch, verschpieschelte Flüscheltüren!
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Re: Qualität

Beitragvon Metatron am 20. Februar 2008, 17:59

Wenn es dich tröstet - das von dir angesprochene Ghetto wird hoffentlich nicht allzu klein.

Schau, ich kann die Relativität auch noch einmal unter deiner Fragestellung betrachten: der Rezipient entscheidet, wann gut gut genug ist. Wenn ich entscheide, ich kann mit einem Menschen nicht kommunizieren, weil mir beim Lesen seiner Ergüsse die Großhirnrinde randaliert, und ich nicht mehr entziffern kann, was da geschrieben steht, dann ist das so. Dann kann mich niemand zwingen, so etwas weiter zu konsumieren.

Aber ich habe genauso kein Recht ihm seine Freiheit zu nehmen - nämlich, prinzipiell, zu sprechen. Schwierig wird es doch erst an den Stellen, an denen ich z.B. als Programmdirektor meine Entscheidungen nicht mehr nur für mich treffe. Und ich dachte halt, der Text spricht von solchen Situationen, wo Qualität nicht mehr an konkreten Normen der Gesellschaft, sondern an "Geschmack" gekoppelt ist - und dieser subjektive Geschmack Auswirkungen auf die Konsummöglichkeiten anderer hat. Und für mich liegt darin das Problem: sollten wir auch Produkte anderer, von uns als "Tramps" empfundener, weitergeben?

Die Frage würde mich interessieren, und ich hoffe, sie passt hier rein.
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